03 / Schreiben

Exposé schreiben

So schreiben Sie ein Exposé für Bachelor-, Masterarbeit oder Promotion: typischer Aufbau, was jeder Abschnitt leisten muss, Zeitplan und häufige Fehler.

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Ein Exposé ist ein kurzer, gegliederter Plan Ihres Forschungsvorhabens. Es zeigt, was Sie untersuchen wollen, warum das relevant ist, wie Sie vorgehen und warum der Plan realistisch ist. Betreuende nutzen es, um ein Thema für die Abschlussarbeit freizugeben, Graduiertenschulen und Stipendiengeber, um Promovierende auszuwählen. Im internationalen Kontext heißt dasselbe Dokument meist Research Proposal.

Typischer Aufbau

Abschnitt Was er leisten muss
Arbeitstitel Thema, Fokus, idealerweise Methode in wenigen Worten
Problemstellung und Relevanz Kontext, warum das Thema wichtig ist
Forschungsstand und Lücke was bekannt ist, was fehlt, mit zentralen Quellen
Forschungsfrage(n) und Ziel was genau Sie herausfinden wollen
Methodik Design, Daten, Stichprobe, Auswertung, Ethik und Datenschutz
Vorläufige Gliederung geplante Kapitel der Arbeit
Zeitplan Arbeitsphasen mit realistischer Dauer
Literaturverzeichnis bereits gesichtete Quellen

Die vorläufige Gliederung ist im deutschsprachigen Raum ein typischer Bestandteil, den englischsprachige Proposals oft nicht verlangen. Bei Promotionen und Stipendien kommen häufig erwarteter Beitrag, Risiken, Finanzierung und Lebenslauf dazu.

Schritt für Schritt

  1. Vorgaben lesen: Umfang, Gliederung, Formatierung, Fristen. Lehrstühle, Promotionsordnungen und Stipendiengeber unterscheiden sich stark.
  2. Forschungsfrage schärfen. Ist sie noch zu breit, hilft die Anleitung Forschungsfrage formulieren.
  3. Forschungsstand knapp darstellen. Kein vollständiges Review, aber genug, um die zentralen Debatten und die Forschungslücke zu zeigen.
  4. Methodik planen und begründen. Warum passt das Design zur Frage? Welche Daten, wie ausgewertet? Unterstützung bietet der Beitrag zur Forschungsmethodik.
  5. Vorläufige Gliederung entwerfen, die zeigt, wie die Arbeit die Frage beantwortet.
  6. Zeitplan erstellen mit Puffer, abgestimmt auf die Bearbeitungsfrist.
  7. Überarbeiten: Jeder Abschnitt sollte für sich verständlich sein.
  8. Gegenlesen lassen: Betreuung, Kommilitoninnen oder das Schreibzentrum Ihrer Hochschule.

Worauf Betreuende und Gutachtende achten

  • Klarheit: Lässt sich das Vorhaben nach der ersten Seite in zwei Sätzen zusammenfassen?
  • Passung: Passen Frage und Methode zusammen, und passt das Thema zum Lehrstuhl oder Programm?
  • Machbarkeit: Zeit, Datenzugang, Kenntnisse, Ressourcen.
  • Relevanz: Warum lohnt sich die Antwort?
  • Vorbereitung: Kennen Sie die Literatur und die praktischen Hürden, etwa Datenschutz oder Ethikvotum?

Ein realistischer Zeitplan

Für eine Masterarbeit mit sechs Monaten Bearbeitungszeit könnte ein Zeitplan so aussehen:

Zeitraum Inhalt
Monat 1–2 Literatur, Methode festlegen, Datenzugang oder Ethik klären
Monat 2–4 Datenerhebung
Monat 4–5 Auswertung
Monat 5–6 Schreiben, Überarbeiten, Formatieren, Druck und Abgabe

Planen Sie die letzten Tage für Korrektur, Plagiatskontrolle und Bindung ein. Viele Prüfungsämter verlangen gebundene Exemplare, und Druckereien brauchen Vorlauf.

Exposé für die Promotion

Für eine Promotion ist das Exposé meist Teil der Bewerbung bei Betreuenden, Graduiertenschulen oder Stipendiengebern wie den Begabtenförderungswerken. Es zeigt, ob Sie eigenständig Forschung planen können, und ist oft Gesprächsgrundlage im Auswahlverfahren. Klären Sie, ob die Stelle an ein bestehendes Projekt gebunden ist oder ob Sie ein eigenes Thema vorschlagen. Mehr dazu in der Anleitung zur Bewerbung für eine Promotion.

Hinweis: Promotionsordnungen, Graduiertenschulen und Stipendiengeber geben teils genaue Vorlagen, Seitenzahlen und Formatierungen vor. Wer sie nicht einhält, riskiert, dass der Antrag nicht berücksichtigt wird. Prüfen Sie immer die aktuelle Fassung der Vorgaben.

Checkliste vor der Abgabe

  • Arbeitstitel ist konkret und aussagekräftig.
  • Forschungsfrage steht früh und ist leicht zu finden.
  • Forschungslücke ist mit Quellen belegt.
  • Methode ist begründet, nicht nur benannt.
  • Datenschutz und Ethik sind angesprochen, wo nötig.
  • Vorläufige Gliederung passt zur Frage.
  • Zeitplan enthält Puffer.
  • Umfang und Format entsprechen den Vorgaben.
  • Literaturangaben sind vollständig und einheitlich zitiert.

Beispiel einer vorläufigen Gliederung

Für eine empirische Masterarbeit zur Beteiligung in Online-Laborpraktika könnte die Gliederung im Exposé so aussehen:

  1. Einleitung: Problemstellung, Forschungsfrage, Aufbau
  2. Theoretischer Rahmen und Forschungsstand
  3. Methodik: Design, Stichprobe, Fragebogen und Interviews, Auswertung
  4. Ergebnisse der Befragung
  5. Ergebnisse der Interviews
  6. Diskussion: Einordnung, Grenzen, Implikationen
  7. Fazit und Ausblick

Die Gliederung darf sich im Verlauf ändern. Sie zeigt im Exposé vor allem, dass Sie eine Vorstellung davon haben, wie die Teile der Arbeit zusammen die Forschungsfrage beantworten.

Sprache und Form

Schreiben Sie das Exposé im Futur oder Präsens („Die Arbeit untersucht …“), sachlich und ohne Füllwörter. Belegen Sie Aussagen zum Forschungsstand wie in der späteren Arbeit, im selben Zitierstil. Ein sauber formatiertes Exposé signalisiert, dass Sie auch die Arbeit sorgfältig umsetzen werden.

Häufige Fehler

  • Ein Thema statt einer Frage.
  • Lange Literaturzusammenfassung ohne erkennbare Lücke.
  • Methode, die nicht zur Frage passt.
  • Zu viel Vorhaben für zu wenig Zeit.
  • Kein Wort zu Risiken oder Alternativen.
  • Vorgaben von Lehrstuhl oder Ausschreibung ignoriert.

Ein Exposé ist nie verschwendete Arbeit: Problemstellung, Forschungsstand und Methodik lassen sich später als Grundlage für Einleitung und Methodenteil der Arbeit weiterverwenden.

Weitere Anleitungen finden Sie im Bereich Schreiben.

Häufige Fragen

Wie lang ist ein Exposé für die Bachelorarbeit?

Eine einheitliche Vorgabe gibt es nicht. Für Abschlussarbeiten sind wenige Seiten üblich, für Promotionen deutlich mehr. Maßgeblich sind die Vorgaben Ihres Lehrstuhls bzw. der Promotionsordnung oder des Stipendiengebers.

Ist das Exposé verbindlich?

Es ist ein Arbeitsplan, kein Vertrag. Kleinere Anpassungen im Verlauf sind normal. Ändert sich aber die Forschungsfrage grundlegend, sprechen Sie das mit Ihrer Betreuung ab, besonders wenn das Thema bereits beim Prüfungsamt angemeldet ist.

Braucht jede Abschlussarbeit ein Exposé?

Nicht überall ist es Pflicht, aber viele Betreuende erwarten eines vor der Themenanmeldung. Selbst wenn es freiwillig ist, lohnt es sich, weil es Frage, Methode und Zeitplan früh klärt.

Was ist der Unterschied zwischen Exposé und Research Proposal?

Im Kern nichts: Beide beschreiben ein geplantes Forschungsvorhaben. „Research Proposal“ ist der international übliche Begriff, besonders bei englischsprachigen Promotionsprogrammen und Förderanträgen.

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