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Raubverlage erkennen
Raubverlage und Predatory Journals erkennen: typische Warnsignale, Prüfung über DOAJ, COPE und ISSN und was Sie tun, wenn Sie schon eingereicht haben.
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Raubverlage, international Predatory Journals genannt, verlangen Publikationsgebühren, leisten aber weder echte Begutachtung noch redaktionelle Arbeit oder verlässliche Archivierung. Sie kopieren oft Namen und Gestaltung angesehener Zeitschriften, verschicken schmeichelnde Einladungen und versprechen eine Veröffentlichung in wenigen Tagen. Wer dort publiziert, riskiert seinen Ruf, verliert Geld und versteckt gute Arbeit an einem Ort, den Fachkolleginnen und -kollegen weder lesen noch ernst nehmen.
Die gute Nachricht: Eine kurze, systematische Prüfung entlarvt die meisten.
Typische Warnsignale
Ein einzelnes Merkmal beweist nichts. Treffen aber mehrere zu, sollten Sie innehalten.
- Ungefragte E-Mails, die Ihre „herausragende Arbeit“ loben und zur Einreichung oder Mitarbeit im Herausgebergremium einladen, oft fachfremd.
- Versprechen sehr schneller Veröffentlichung oder Annahme binnen weniger Tage.
- Uferloser Themenbereich, etwa Medizin, Maschinenbau und Literatur in einer Zeitschrift.
- Unklare Gebühren, die erst nach der Annahme oder im Kleingedruckten auftauchen, manchmal sogar Gebühren für das Zurückziehen.
- Zweifelhaftes Herausgebergremium: Namen ohne Institution, Personen, die ihre Rolle nicht bestätigen, oder bekannte Forschende, die ohne ihr Wissen gelistet sind.
- Irreführende Kennzahlen: erfundene „Impact-Faktoren“ oder nicht überprüfbare Indexierungsangaben.
- Täuschend ähnlicher Name oder eine kopierte Website einer bekannten Zeitschrift (Journal Hijacking).
- Fehlerhafte Sprache auf der Website und in den Artikeln.
- Fehlende Regeln zu Begutachtung, Lizenzen, Korrekturen und Archivierung.
In sechs Schritten prüfen
- Aktuelle Artikel lesen. Möchten Sie Ihre Arbeit daneben sehen? Wird die Zeitschrift in Ihrem Fach zitiert?
- Indexierung selbst nachprüfen. Suchen Sie die Zeitschrift direkt in der genannten Datenbank, statt einem Logo auf der Website zu vertrauen.
- DOAJ prüfen. Reine Open-Access-Zeitschriften sollten im Directory of Open Access Journals stehen, das Aufnahmekriterien anwendet.
- COPE-Mitgliedschaft prüfen. Mitglieder des Committee on Publication Ethics verpflichten sich auf dessen Leitlinien. Suchen Sie in der Mitgliederliste, statt einem Siegel zu glauben.
- ISSN und Verlag verifizieren. Die ISSN lässt sich im ISSN-Portal nachschlagen; prüfen Sie Adresse und Kontaktdaten des Verlags.
- Nachfragen. Betreuung, Koautoren und die Universitätsbibliothek kennen die seriösen Publikationsorte Ihres Fachs meist auf Anhieb. Viele Bibliotheken bieten eine Publikationsberatung an.
Die Initiative Think. Check. Submit. stellt eine kostenlose Checkliste bereit, die derselben Logik folgt.
Seriös oder Raubverlag? Der Vergleich
| Merkmal | Seriöse Zeitschrift | Raubverlag |
|---|---|---|
| Kontakt | Sie finden sie über Lektüre und Empfehlungen | Sie findet Sie über Massenmails |
| Begutachtung | Dokumentiertes Verfahren, dauert Wochen bis Monate | Fehlt, oberflächlich oder extrem schnell |
| Gebühren | Vor der Einreichung klar genannt | Vage, spät, teils Rückzugsgebühren |
| Herausgebergremium | Nachprüfbare Fachleute mit Institution | Nicht überprüfbar oder missbrauchte Namen |
| Indexierung | In den genannten Datenbanken auffindbar | Angaben nicht bestätigbar |
| Regeln | Lizenz, Archivierung, Korrekturen erklärt | Fehlen oder sind kopiert |
Open Access ist nicht das Problem
Raubverlage nutzen das Gebührenmodell mancher Open-Access-Zeitschriften aus. Open Access selbst ist aber nicht verdächtig: Viele hervorragende Zeitschriften sind frei zugänglich, manche mit, manche ohne Gebühren für Autoren. Bewerten Sie jede Zeitschrift nach ihrer Arbeitsweise, nicht nach dem Geschäftsmodell. Fragen Sie außerdem Ihre Bibliothek, ob eine Verlagsvereinbarung oder ein Publikationsfonds besteht; Zeitschriften aus solchen Verträgen sind in aller Regel seriös.
Unseriöse Konferenzen
Dasselbe Muster gibt es bei Tagungen: generische Namen, extrem breite Themen, hohe Gebühren und Annahme fast aller Beiträge. Prüfen Sie Veranstalter, Programmkomitee und frühere Tagungsbände. Wie Sie eine passende Konferenz auswählen, steht unter Konferenzbeitrag einreichen und vortragen.
Wenn Sie schon eingereicht haben
- Keine weiteren Rechnungen bezahlen, bevor die Zeitschrift geprüft ist
- Schriftlich um Rückzug bitten, solange der Artikel nicht erschienen ist
- Gesamte Korrespondenz aufbewahren
- Betreuung, Koautoren und gegebenenfalls Bibliothek informieren
- Für die nächste Einreichung eine seriöse Zeitschrift wählen, Schritte unter Ein Paper veröffentlichen
Rückzugsbitten werden nicht immer erfüllt. Vorbeugen ist deshalb viel einfacher als nachträglich reparieren.
Warum gerade der wissenschaftliche Nachwuchs betroffen ist
Promovierende und Nachwuchsforschende stehen unter Publikationsdruck, kennen die Zeitschriftenlandschaft ihres Fachs aber oft noch nicht gut. Genau darauf zielen viele Einladungen: Sie wirken persönlich, schmeicheln und versprechen schnelle Ergebnisse. Hinzu kommt, dass E-Mail-Adressen aus Konferenzbänden und Publikationen leicht zu sammeln sind. Ein guter Schutz ist eine kurze Liste mit seriösen Zeitschriften Ihres Fachs, die Sie gemeinsam mit Ihrer Betreuung anlegen. Alles, was nicht darauf steht, prüfen Sie nach den sechs Schritten oben, bevor Sie überhaupt antworten.
Warum das wichtig ist
Artikel in Raubverlagen werden oft nicht gefunden, verschwinden, wenn eine Website offline geht, und können Zweifel an Ihren übrigen Arbeiten wecken. Echtes Peer Review ist manchmal langsam und anstrengend, aber genau das gibt einer Publikation ihren Wert.
Häufige Fragen
Sind alle Open-Access-Zeitschriften mit Gebühren unseriös?
Nein. Viele angesehene Open-Access-Zeitschriften finanzieren sich über Publikationsgebühren. Unseriös wird es, wenn die Gebühr kassiert wird, ohne dass Begutachtung, Lektorat und dauerhafte Archivierung stattfinden.
Gibt es eine verlässliche schwarze Liste?
Es gab und gibt verschiedene Listen, doch keine ist vollständig, und manche sind veraltet oder umstritten. Verlässlicher ist es, positive Merkmale zu prüfen, etwa DOAJ-Eintrag, COPE-Mitgliedschaft und Indexierung in den Datenbanken Ihres Fachs.
Ich habe bereits in einem Raubverlag veröffentlicht. Was nun?
Sprechen Sie zuerst mit Ihrer Betreuung oder der Bibliothek. Sie können den Verlag schriftlich bitten, den Artikel zurückzuziehen, auch wenn solche Bitten nicht immer erfüllt werden. In Bewerbungen sollten Sie offen damit umgehen und Ihre Publikationen in anerkannten Organen in den Vordergrund stellen.
Gibt es auch unseriöse Konferenzen?
Ja. Manche Veranstalter laden zu Tagungen mit sehr breitem Themenspektrum ein, verlangen hohe Gebühren und nehmen fast jeden Beitrag an. Prüfen Sie Veranstalter, Programmkomitee und frühere Tagungsbände, bevor Sie sich anmelden.