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Literaturrecherche Schritt für Schritt
So gelingt die Literaturrecherche für Haus- und Abschlussarbeit: Suchbegriffe sammeln, Datenbanken wählen, Suchstrings bauen, Treffer sichten, dokumentieren.
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Eine Literaturrecherche ist die planvolle Suche nach den Veröffentlichungen, die für Ihre Fragestellung wichtig sind. Konkret heißt das: Thema in Kernbegriffe zerlegen, passende Suchbegriffe sammeln, in geeigneten Datenbanken suchen, Treffer sichten und alles dokumentieren. Mit einer klaren Methode reichen dafür einige konzentrierte Arbeitssitzungen statt wochenlangen Stöberns.
Schritt 1: Eine vorläufige Frage notieren
Die endgültige Forschungsfrage brauchen Sie noch nicht, eine Richtung aber schon. Schreiben Sie in ein bis zwei Sätzen auf, was Sie herausfinden wollen, und markieren Sie darin zwei bis vier Kernbegriffe. Bei „Wie wirkt sich digitale Lehre auf die Beteiligung von Erstsemestern im Maschinenbau aus?“ wären das digitale Lehre, Beteiligung und Ingenieurstudium.
Ist die Frage noch zu weit, hilft zuerst die Anleitung Forschungsfrage formulieren.
Schritt 2: Suchbegriffe sammeln, deutsch und englisch
Zu jedem Kernbegriff gehören Synonyme, Ober- und Unterbegriffe und fast immer eine englische Entsprechung. Denn auch in deutschsprachigen Fächern erscheint ein großer Teil der Forschung auf Englisch.
| Kernbegriff | Deutsch | Englisch |
|---|---|---|
| Digitale Lehre | Online-Lehre, E-Learning, Fernlehre | online teaching, distance learning, e-learning |
| Beteiligung | Engagement, Partizipation, Motivation | student engagement, participation |
| Ingenieurstudium | Maschinenbau, MINT-Studium | engineering education, STEM |
Viele Datenbanken arbeiten zusätzlich mit kontrolliertem Vokabular (Schlagwörter, Thesaurus, in der Medizin etwa MeSH). Im deutschsprachigen Raum nutzen Bibliothekskataloge die Gemeinsame Normdatei (GND). Ein Blick in diese Schlagwörter lohnt sich, weil sie einheitlich vergeben werden, auch wenn Autorinnen und Autoren unterschiedliche Begriffe verwenden.
Schritt 3: Datenbanken auswählen
Wählen Sie Quellen nach Ihrem Fach, nicht nach Gewohnheit:
- Fachdatenbanken wie PubMed (Medizin), ERIC oder FIS Bildung (Pädagogik), IEEE Xplore (Technik), PsycInfo oder PSYNDEX (Psychologie), WISO (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften).
- Fachübergreifende Zitationsdatenbanken wie Web of Science oder Scopus, sofern Ihre Hochschule sie lizenziert.
- Google Scholar für den schnellen Überblick und zum Auffinden von Volltexten.
- Katalog und Discovery-System Ihrer Bibliothek für Bücher, Sammelbände und Hochschulschriften, ergänzt um Fernleihe.
Welche Datenbanken Ihnen offenstehen, zeigt das Datenbank-Infosystem (DBIS) bzw. die Fachseite Ihrer Bibliothek. Viele lizenzierte Angebote funktionieren von zu Hause nur per VPN oder Shibboleth-Anmeldung.
Schritt 4: Suchstrings bauen
Verknüpfen Sie die Begriffe mit Booleschen Operatoren:
- OR innerhalb eines Begriffsfelds:
"online teaching" OR "distance learning" OR e-learning - AND zwischen den Begriffsfeldern
- NOT nur vorsichtig, weil es relevante Treffer ausschließen kann
- Anführungszeichen für Phrasen, Sternchen für Trunkierung (
engag*). Die genaue Syntax unterscheidet sich je Datenbank, die Hilfeseite verrät sie.
Danach filtern: Erscheinungsjahre, Sprache, Dokumenttyp, begutachtete Zeitschriften. Notieren Sie, welche Filter Sie warum gesetzt haben.
Schritt 5: Treffer in zwei Durchgängen sichten
- Titel und Abstracts lesen, alles Mögliche behalten.
- Volltexte der verbleibenden Treffer prüfen und anhand klarer Kriterien entscheiden: Thema, Methode, Zielgruppe, Zeitraum.
- Bei ausgeschlossenen Texten kurz den Grund notieren. So lesen Sie denselben Aufsatz nicht zweimal.
Schritt 6: Dem Schneeball folgen
Haben Sie einige zentrale Texte gefunden, nutzen Sie deren Literaturverzeichnisse (Rückwärtssuche) und prüfen Sie, wer sie seither zitiert hat (Vorwärtssuche, etwa über Google Scholar oder Scopus). Auf diesem Weg finden Sie oft Schlüsselstudien, die Ihre Stichwortsuche übersehen hat. KI-Tools für die Recherche können dabei helfen, ihre Vorschläge müssen Sie aber immer am Original prüfen.
Schritt 7: Speichern und dokumentieren
Übernehmen Sie jeden relevanten Treffer sofort in eine Literaturverwaltung, im DACH-Raum oft Citavi über die Campuslizenz oder das kostenlose Zotero. Daneben führen Sie ein Rechercheprotokoll:
- Datum der Suche
- Datenbank und Oberfläche
- Genauer Suchstring und Filter
- Trefferzahl und Zahl der übernommenen Titel
- Ideen für die nächste Runde
Hinweis: Manche Studiengänge verlangen eine dokumentierte Suchstrategie im Methodenteil, besonders bei systematischen Reviews. Prüfen Sie Modulhandbuch und Prüfungsordnung oder fragen Sie früh bei Ihrer Betreuung nach.
Volltexte beschaffen
Ein Treffer in der Datenbank ist noch kein Text auf Ihrem Schreibtisch. So kommen Sie an Volltexte:
- Lizenzierte Zugänge Ihrer Bibliothek nutzen, am besten über den Link-Resolver im Discovery-System oder per Fernzugriff (VPN, Shibboleth).
- Frei zugängliche Fassungen suchen: Viele Aufsätze liegen als Open-Access-Version in Repositorien von Hochschulen oder auf Preprint-Servern. Browser-Erweiterungen wie Unpaywall zeigen solche legalen Fassungen an.
- Fernleihe für Bücher und Aufsätze, die Ihre Bibliothek nicht besitzt. Sie kostet je nach Bibliothek eine kleine Gebühr und braucht einige Tage, also früh bestellen.
- Autorinnen und Autoren direkt anschreiben. Eine kurze, höfliche Anfrage nach einem Sonderdruck wird oft beantwortet.
Meiden Sie Schattenbibliotheken, die urheberrechtlich geschützte Texte ohne Erlaubnis verbreiten. Der legale Weg ist meist nur wenige Klicks länger.
Wann die Recherche reicht
Vollständig ist eine Recherche selten. Ein brauchbares Signal ist Sättigung: Neue Suchen und das Schneeballprinzip liefern fast nur noch Titel, die Sie schon kennen. Dann beginnt die Arbeit am Text. Wie Sie aus der Sammlung eine Argumentation machen, zeigt die Anleitung Literature Review schreiben. Alle Ratgeber dieses Bereichs finden Sie unter Recherche.
Typische Fehler
- Nur mit den Wörtern aus dem eigenen Arbeitstitel suchen statt mit dem Fachvokabular.
- Englischsprachige Literatur auslassen.
- Nach der ersten Seite Google Scholar aufhören.
- PDFs speichern, aber keine bibliografischen Daten, und später alles von Hand nachtragen.
- Suchstrings nicht notieren, sodass sich die Suche nicht wiederholen oder aktualisieren lässt.
Häufige Fragen
Wie viele Quellen braucht eine Bachelorarbeit?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Sie hängt von Fach, Thema und den Erwartungen Ihres Lehrstuhls ab. Fragen Sie Ihre Betreuung und schauen Sie sich aktuelle Arbeiten aus Ihrem Institut an. Entscheidend ist, dass Sie den relevanten Forschungsstand abdecken, nicht eine bestimmte Anzahl.
Reicht Google Scholar für die Literaturrecherche?
Meist nicht allein. Google Scholar ist breit und praktisch, um bekannte Aufsätze oder zitierende Arbeiten zu finden, bietet aber wenige Filter und eine schwer nachvollziehbare Sortierung. Kombinieren Sie es mit mindestens einer Fachdatenbank.
Was ist der Unterschied zwischen Literaturrecherche und Literature Review?
Die Recherche ist das Finden und Auswählen der Quellen. Das Review ist der Text, in dem Sie diese Quellen zusammenfassen, vergleichen und bewerten, um Ihre eigene Arbeit einzuordnen.
Wo bekomme ich Hilfe bei der Recherche?
Fast jede Hochschulbibliothek bietet Schulungen, Fachreferentinnen und Fachreferenten sowie Rechercheberatung an, oft auch als Einzeltermin. Diese Angebote sind kostenlos und kennen die Datenbanken, die Ihre Hochschule lizenziert hat.
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